Keine Lust auf die Gesellschaft

Das aktu­ell zwölf­te Stu­die­ren­den-Sur­vey scannt Vor­lie­ben und Inter­es­sen der heu­ti­gen Stu­den­ten.

Keine Lust auf Politik

Stu­den­ten heut­zu­ta­ge sind vor allen Din­gen nicht mehr inter­es­siert an Poli­tik. Nur noch 24 % sind sehr stark an Poli­tik inter­es­siert. 29 % hin­ge­gen fin­den Poli­tik gänz­lich unin­ter­es­sant und unwich­tig. So wenig Stu­den­ten haben sich noch nie für Poli­tik inter­es­siert. Ins­be­son­de­re die Fach­hoch­schul­stu­den­ten sind kaum noch poli­tisch inter­es­siert, Uni­ver­si­tät­stu­den­ten hin­ge­gen etwas mehr. Die genann­te Stu­die begrün­det die­se Ent­wick­lung unter ande­rem mit einer immer kom­ple­xer und unüber­schau­ba­rer wer­den­den Poli­tik sowie zuneh­men­der stu­den­ti­scher Apa­thie und Pas­si­vi­tät. Ob das etwas mit dem Inter­net und Goog­le, Face­book und Co. zu tun hat?

Keine Lust auf Beteiligung

Die­ses poli­ti­sche Des­in­ter­es­se kor­re­spon­diert mit der Rück­lauf­quo­te der Fra­ge­bö­gen bei die­sem Stu­die­ren­den-Sur­vey. Nur noch 18,6 % der auf­ge­for­der­ten 27.200 Stu­den­ten haben sich im Win­ter­se­mes­ter 2012/2013 betei­ligt, genau­er 4.884 Stu­den­ten (vgl. Uni­ver­si­tät Kon­stanz 2014):. Vor knapp 30 Jah­ren, 1985, betei­lig­ten sich über 10.000 Stu­den­ten an dem­sel­ben Stu­die­ren­den-Sur­vey. Auch hier betei­lig­ten sich etwas mehr Stu­den­ten von Uni­ver­si­tä­ten als Stu­den­ten von Fach­hoch­schu­len.

Privates ist alles

Statt Gemein­schaft und Gesell­schaft inter­es­siert die heu­ti­gen Stu­den­ten eigent­lich nur noch sie selbst. Die heu­ti­gen Stu­den­ten wol­len eine gute fach­li­che Aus­bil­dung, einen inter­es­san­ten Arbeits­platz und ein gutes Gehalt. Das Pri­vat­le­ben und per­sön­li­che Fort­kom­men, Fami­lie und per­sön­li­ches Glück, sind die­ser prag­ma­ti­schen Gene­ra­ti­on am wich­tigs­ten.

Die Bachelor- und Masterstudiengänge sind ok

Über­ra­schend ist, dass nach doch nicht uner­heb­li­chen Kri­ti­ken nur im Jahr 2014 die Unzu­frie­den­heit mit den Bolo­gna-Stu­di­en­gän­gen doch bereits zum Umfra­ge­zeit­punkt die­ses Stu­die­ren­den-Sur­veys im Win­ter­se­mes­ter 2012/2013 tat­säch­lich abge­nom­men haben soll. 73 % der Stu­den­ten sag­ten im Win­ter­se­mes­ter 2012/2013, dass sie gern stu­die­ren und dass der Auf­bau und die Struk­tur ihres Stu­di­en­gangs in Ord­nung sei.

Mehr Praxis im Studium wäre gut

Ein biss­chen irri­tie­rend ist bei den sehr pra­xis­las­ti­gen Stu­di­en­gän­gen Bache­lor und Mas­ter der wei­ter­hin bestehen­de Wunsch ins­be­son­de­re bei Uni­ver­si­täts­stu­den­ten, dass ein noch stär­ke­rer Pra­xis­be­zug die Stu­di­en­gän­ge cha­rak­te­ri­sie­ren sol­le.

41 % der Uni­ver­si­täts­stu­den­ten, aber nur 20 % der Fach­hoch­schul­stu­den­ten sind die­se Auf­fas­sung. Wei­ter­hin irri­tiert, dass Stu­den­ten an For­schungs­be­zü­gen und an Betei­li­gun­gen von For­schungs­pro­jek­ten im Rah­men ihres Stu­di­ums kaum noch Inter­es­se haben. Die beruf­li­che Pra­xis scheint bald alles zu sein.

Kleinerer Studienrahmen, bessere Betreuung und bessere Studienfinanzierung

Wei­te­re ver­streu­te Ergeb­nis­se die­ses Stu­den­ten-Sur­veys sind, dass sich ein Drit­tel der Stu­den­ten mehr Stu­di­en­ver­an­stal­tun­gen im klei­nen Kreis wünscht; vor 14 Jah­ren waren es schon ein­mal dop­pelt zu vie­le. Die Aus­rich­tung der Stu­di­en­gän­ge auf die Pra­xis ist bei den Wirt­schafts­wis­sen­schaft­lern, den Sozi­al­wis­sen­schaft­lern und den Kul­tur­wis­sen­schaft­lern mit etwa 50 % am höchs­ten, und auch in der Medi­zin sind es 45 %, die sich pra­xis­be­zo­ge­ne­re Stu­di­en­in­hal­te wün­schen. Zu groß und zu schlecht betreut fin­den vor allen Din­gen Rechts­wis­sen­schaft­ler und Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler sowie wie­der­um Medi­zi­ner ihre Lehr­ver­an­stal­tun­gen. Eine bes­se­re Finan­zie­rung des Stu­di­ums wün­schen sich ins­be­son­de­re Stu­den­ten der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, der Rechts­wis­sen­schaf­ten und der Kul­tur­wis­sen­schaf­ten. Und vor allem ange­hen­de Juris­ten for­dern geän­der­te Prü­fungs­ord­nun­gen.

Ist eine zuneh­men­de Per­so­na­li­sie­rung und Pri­va­ti­sie­rung des eige­nen Lebens nun gut oder nicht?

Quel­len:
Ramm, Micha­el u.a.: Stu­di­en­si­tua­ti­on und stu­den­ti­sche Ori­en­tie­run­gen. 12. Stu­die­ren­den­sur­vey an Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len. Kurz­fas­sung. Hg. v. Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung, Bonn/Berlin Juli 2014, http://www.bmbf.de/pub/12._Studierendensurvey_barrierefrei.pdf (Stand 29.10.2014).
Uni­ver­si­tät Kon­stanz (Hg.): Stu­die­ren­den­sur­vey 1983 bis 2013, http://cms.uni-konstanz.de/ag-hochschulforschung/studierendensurvey/ (Stand 29.10.2014).