Jugend fehlt Wirtschaftswissen

Lite­ra­tu­ren von vor Jahr­hun­der­ten stu­die­ren, das sol­len Jugend­li­che in all­ge­mein­bil­den­den Schu­len auf jeden Fall. Das, was sie und uns alle täg­lich angeht, näm­lich wirt­schaft­li­che Ver­hält­nis­se, wird indes nicht gelehrt. Das ist zwar gut für wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­che Ghost­wri­ter. Jugend­li­che sind indes in Wirt­schafts­fra­gen wei­ter unsi­cher, obwohl sie sich das Gegen­teil wün­schen, wie eine Jugend­stu­die erst kürz­lich erneut kon­sta­tier­te.

Wirtschaftswissenschaften als Hauptfach bei Ghostwritern

Für aka­de­mi­sche Ghost­wri­ter sind die wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Fach­be­rei­che mit Abstand das nach­fra­ge­stärks­te Fach­ge­biet. War­um? Die Welt hat sich im letz­ten Vier­tel­jahr­hun­dert mehr­mals gedreht. Die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung bis hin zu künst­li­cher Intel­li­genz ist in aller Mun­de. Die Öko­no­mie als Teil des Lebens hat mehr Raum ein­ge­nom­men, sei es all­täg­lich, sei es grund­sätz­lich. Ein eigen­stän­di­ges Fach Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten gibt es an all­ge­mein­bil­den­den Schu­len indes immer noch nicht. Und die­ses Feh­len wirkt sich dann auch bei jun­gen Men­schen nega­tiv aus, die doch wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­che Fach­be­rei­che stu­die­ren wie vor allem BWL – und eben für Ghost­wri­ter posi­tiv.

Goe­thes Faust ist schu­li­scher Bil­dungs­ka­non seit Jahr­zehn­ten und wird es wohl auch wei­ter­hin blei­ben, im schu­li­schen Bereich Deutsch oder Lite­ra­tur – und eben des­halb kom­men Ghost­wri­ter mit Goe­the auch sehr wenig in Kon­takt. Die immer stär­ker fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung unse­rer Welt – Stich­wort Indus­trie 4.0 – oder auch die zuneh­men­de Öko­no­mi­sie­rung unse­res Lebens geht an den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len indes so weit­ge­hend vor­bei wie vor 25 Jah­ren.

Dass der Grund ideo­lo­gi­scher Natur ist, weiß letzt­lich jeder. Doch was ver­pas­sen Schü­ler und Stu­den­ten, wenn im schu­li­schen Bil­dungs­ka­non der Bereich Wirt­schaft nicht vor­kommt – und aka­de­mi­sche Ghost­wri­ter künf­tig womög­lich, wenn es umge­kehrt wäre?

Wirtschaftswissenschaften als wichtige Lebens-Disziplin, nicht nur für Ghostwriter

Die heu­ti­gen Schü­ler wis­sen neben den Ghost­wri­tern ihres Fachs von ihren Defi­zi­ten offen­sicht­lich selbst ganz genau. Wie aus der Jugend­stu­di­en des Bun­des­ver­bands deut­scher Ban­ken her­vor­geht, die Ende Juli 2015 ver­öf­fent­licht wur­de und zu der 14–24-Jährige befragt wur­den, füh­len sich Jugend­li­che in Wirt­schafts­fra­gen oft unsi­cher und wol­len ins­be­son­de­re von ihrer Schu­le mehr wirt­schaft­li­che Kennt­nis­se ver­mit­telt bekom­men. 70 % der Jugend­li­chen wol­len ein eige­nes Schul­fach Wirt­schaft. Gleich­zei­tig erwar­ten sie sich von ihren Eltern in der Rea­li­sie­rung die­ses Wun­sches kaum Unter­stüt­zung. Die Jugend­li­chen von heu­te wis­sen damit ganz offen­sicht­lich von den ideo­lo­gi­schen Grä­ben, die ein eigen­stän­di­ges Fach Wirt­schaft in all­ge­mein­bil­den­den Schu­len bis heu­te ver­hin­dert – und eben des­halb aka­de­mi­schen Ghost­wri­tern Arbeit bringt.

Zu fra­gen ist aller­dings, und dies schon seit gerau­mer Zeit, was dar­an schlecht sein soll, dass Jugend­li­chen in all­ge­mein­bil­den­den Schu­len Kennt­nis­se dar­über ver­mit­telt wird, wie zum Bei­spiel die euro­päi­sche Zen­tral­bank funk­tio­niert, zumal in der Euro-Kri­se, und wie Zen­tral­ban­ken über­haupt funk­tio­nie­ren; denn schließ­lich berührt das Han­deln von Zen­tral­ban­ken uns alle, deren Auf­ga­be es ist, den Geld­wert sta­bil und damit eine Infla­ti­on in Gren­zen zu hal­ten. Für Ghost­wri­ter ihres Fachs sind dies tag­täg­li­che Fra­gen. Oder was bedeu­tet die Euro­zo­ne für uns alle? War­um steht Deutsch­land inter­na­tio­nal wirt­schaft­lich so her­aus­ra­gend dar, wäh­rend das EU- und Euro-Mit­glied Grie­chen­land stän­dig vor dem Staats­bank­rott steht? Ghost­wri­ter ihres Fachs wis­sen dar­über bes­tens Bescheid. Was bedeu­tet die von der Bun­des­re­gie­rung Deutsch­land aus­ge­ru­fe­ne Ener­gie­wen­de wirt­schaft­lich für uns alle? Wel­che rea­lis­ti­schen wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen wird es für uns alle haben, dass in die­sem Jahr 2015 nicht 800.000 Flücht­lin­ge, son­dern womög­lich gar bis zu 1 Mil­li­on Flücht­lin­ge Deutsch­land erreicht haben – das ist die gesam­te Ein­woh­ner­zahl Mün­chens? Wirt­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen betref­fen fast immer den ein­zel­nen direkt – auch die Ghost­wri­ter, die dar­über schrei­ben und wis­sen.

Nicht nur die Eltern­ge­ne­ra­ti­on weiß wenig dar­über. Auch die Jugend­li­chen blei­ben wei­ter­hin über­wie­gend blind. 60 % von ihnen wis­sen nicht, wie die Bör­se funk­tio­niert – Basis­wis­sen für Ghost­wri­ter ihres Fachs. Die Mehr­heit weiß wohl, was eine Aktie ist, aber beim Begriff Ren­di­te müs­sen die meis­ten Jugend­li­chen schon wie­der pas­sen. Grund­be­grif­fe von Ghost­wri­tern ihres Fachs wie der Unter­schied von Akti­en und Anlei­hen, mit denen sich Unter­neh­men finan­zie­ren kön­nen oder zum Zusam­men­hang von Ren­di­te und Risi­ko sind noch wei­ter weg vom Wis­sens­ho­ri­zont der Jugend­li­chen heu­te, wie aus besag­ter Jugend­stu­die des deut­schen Bun­des­ver­bands deut­scher Ban­ken eben­falls her­vor­geht. Und das ist nach die­ser Stu­die ein Fort­schritt im Ver­gleich zur Ver­gan­gen­heit. Das kön­nen wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­che Ghost­wri­ter jetzt nicht bestä­ti­gen.

Quel­len:

Ban­ken­ver­band (Hrsg.): Jugend­stu­die 2015. Wirt­schafts­ver­ständ­nis, Finanz­kul­tur, Digi­ta­li­sie­rung. Prä­senz- und Online-Pres­se­kon­fe­renz, Ber­lin 22. Juli 2015, (Inter­net­adres­se Stand 31.08.2105) (Voll­ver­si­on online am 31.08.2015 noch nicht abruf­bar).

Becker, Lisa: Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten ist All­ge­mein­bil­dung. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 29.08.2015, S. 19.