Erasmus-Mundus-Master?

Eras­mus“ ist das Zau­ber­wort für aus­län­di­sche Stu­di­en­auf­ent­hal­te nicht nur bei deut­schen Stu­den­ten. Prak­tisch alle Stu­den­ten glau­ben, dies sei ein euro­päi­sches oder EU-Stu­di­en­aus­tausch­pro­gramm. Dabei gibt es “ Eras­mus Mun­dus“, ein „Erasmus“-Programm für die gan­ze Welt. 40–50 euro­päi­sche Stu­den­ten mel­den sich für ein sol­ches Pro­gramm an – und 9.000 außer­eu­ro­päi­sche Stu­den­ten. Weil in Euro­pa die­ses Pro­gramm prak­tisch nie­mand kennt.

Eras­mus mun­dus Mas­ter „? Was ist das?

Die Bil­dungs­för­de­rung der Euro­päi­schen Uni­on unter­hält das EU-Stu­di­en Aus­tausch­pro­gramm „Eras­mus“. Hier kön­nen Stu­den­ten inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on – in Deutsch­land geför­dert mit BAföG, mit Zusatz-Aus­lands-BAföG und manch­mal noch zusätz­lich mit einem Aus­lands­obo­lus – inner­halb ihres Stu­di­ums ande­re Län­der der Euro­päi­schen Uni­on ken­nen­ler­nen. Das ist all­ge­mein bekannt. Dass man über die­ses Pro­gramm auch in der gan­zen Welt stu­die­ren kann, das weiß irri­tie­ren­de Wei­se bis heu­te so gut wie nie­mand.

Eras­mus mun­dus“ heißt der Teil des „Erasmus“-Programms, das EU-Stu­den­ten auch ins außer­eu­ro­päi­sche Aus­land kom­men lässt. Die­ses „Eras­mus Mundus“-Programm ist Teil der Bil­dungs­för­de­rung der Euro­päi­schen Uni­on. Es soll ein erst­klas­si­ges Stu­di­um in Euro­pa för­dern und den Eli­te­uni­ver­si­tä­ten in den USA direkt Kon­kur­renz machen. Schon seit dem Jahr 2004, d.h. seit nun­mehr über 10 Jah­ren, gibt es die­ses Pro­gramm, initi­iert von dem EU-Gene­ral­di­rek­tor für Bil­dung und Kul­tur. Hoch­schu­len kom­men hier aller­dings auch schwer hin­ein. 20 % der Pro­jek­te, die geför­dert wer­den wol­len, haben eine Chan­ce ange­nom­men zu wer­den. Es dür­fen sich nur Hoch­schul­ko­ope­ra­tio­nen bewer­ben, also kei­ne ein­zel­ne Hoch­schu­len. Die­se Hoch­schul­ko­ope­ra­tio­nen müs­sen aus min­des­tens einer euro­päi­schen Hoch­schu­le und einer außer­eu­ro­päi­schen Hoch­schu­le bestehen. Die Stu­di­en­gän­ge müs­sen mög­lichst ein­zig­ar­tig sein. Und Stu­den­ten die­ser Pro­gram­me müs­sen natür­lich in allen die­sen euro­päi­schen und außer­eu­ro­päi­schen Orten ordent­lich stu­die­ren kön­nen.

In der Regel bestehen die­se Hoch­schul­ko­ope­ra­tio­nen aus drei Hoch­schu­len bzw. Uni­ver­si­tä­ten aus drei ver­schie­de­nen Län­dern. Die „Eras­mus Mundus“-Stipendien für jeden ein­zel­nen Stu­den­ten belau­fen sich auf etwa 1.000 € pro Monat, das ist 50 % mehr als das deut­sche Höchst-BAföG, und dies bei der Tat­sa­che, dass in den meis­ten Län­dern die­ser Welt die Lebens­hal­tung-und Stu­di­en­kos­ten auch für einen Stu­den­ten einen Bruch­teil des­sen betra­gen wie in Deutsch­land. Die Unter­stüt­zung ist also sehr üppig. Nur: Kaum jemand kennt die­ses „Eras­mus Mundus“-Programm, aber jeder das „Erasmus“-Programm, das sich ledig­lich auf die EU-Län­der fokus­siert.

War­um dies so ist, ist nicht ganz ein­sich­tig und auch nicht nach­voll­zieh­bar. Pro­ble­ma­tisch aus Hoch­schul­sicht ist: Die­se „Eras­mus Mundus“-Förderung ist nur als Anschub­fi­nan­zie­rung gedacht. Die Hoch­schu­len erhal­ten – als Uni­ver­si­täts-Koope­ra­ti­ons­part­ner – 4 Mil­lio­nen € von der Euro­päi­schen Uni­on. Die­se Uni­ver­si­tä­ten bzw. Uni­ver­si­täts-Koope­ra­ti­ons­part­ner sind dazu ver­pflich­tet, einen Groß­teil die­ser finan­zi­el­len Mit­tel an Stu­den­ten als

Sti­pen­di­en aus­zu­schüt­ten. Doch auf­grund des sehr star­ken Wett­be­werbs, unter Hoch­schu­len, die ken­nen die­ses Pro­gramm, das Stu­den­ten kaum ken­nen, ist eine neu­er­li­che För­de­rung für die­ses „Eras­mus Mundus“-Programm frag­lich bis aus­sichts­los.

Wie unbe­kannt es ist, dass Stu­den­ten der Euro­päi­schen Uni­on im außer­eu­ro­päi­schen Aus­land stu­die­ren kön­nen, zeigt der letzt­lich erschüt­tern­de Zah­len­ver­gleich der­je­ni­gen EU-Stu­den­ten, die sich für ein sol­ches Pro­gramm bewer­ben, und den außer­eu­ro­päi­sche Stu­den­ten, die sich auch auf die­ses Pro­gramm bewer­ben. Das Ver­hält­nis ist ca. 9.000 zu 45 oder 1 EU-Stu­dent auf 200 außer­eu­ro­päi­sche Stu­den­ten.

Wie ein sol­ches kras­ses Miss­ver­hält­nis bei einer der­ma­ßen lukra­ti­ven Unter­stüt­zung für EU-Stu­den­ten für ein Stu­di­um in so vie­len Län­dern der Erde ent­ste­hen kann, die einen Bruch­teil unse­res Lebens­ni­veaus haben, ist nur nach­voll­zieh­bar aus Hoch­schul­sicht: Ein Enga­ge­ment in ein sol­ches EU-Bil­dungs­pro­gramm, das in der nächs­ten Run­de Aus­sicht fast nur auf Raus­schmiss hat, ist nicht lukra­tiv. Die Stu­den­ten und ihre Inter­es­sen, um die es tat­säch­lich gehen soll­te, mit­hin tat­säch­li­che Bil­dungs­för­de­rung, fällt unten durch.

Ver­wand­te Links:
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Ghostwriter.nu: Unse­re maro­de Hoch­schul­land­schaft . Ghostwriter.nu-News vom 12.12.2014.
Ghostwriter.nu: Was uns höhe­re Bil­dung wert ist. Ghostwriter.nu-News vom 12.11.2014.
Ghostwriter.nu: Mehr Geld für mehr Bil­dung . Ghostwriter.nu-News vom 12.01.2015.