Der schnellste Weg zum Doktortitel?

Zum neu­es­ten Mach­werk der Grup­pe der Jour­na­lis­ten in unse­rem Land.

Heu­te ist ein neu­es Buch her­aus­ge­kom­men, Titel: „Der schnells­te Weg zum Dok­tor­ti­tel. War­um selbst schrei­ben, wenn’s auch anders geht?“. Her­aus­ge­ge­ben wird es vom Rie­mann Ver­lag, einem Able­ger des Kon­glo­me­rat Ran­dom Hou­se, das wie­der­um zum Impe­ri­um der Ber­tels­män­ner gehört. Und der Autor heißt Bernd Kra­mer, 30 Jah­re jung, Volks­wirt­schaft­ler, Sozio­lo­ge und Poli­tik­wis­sen­schaft­ler sowie Besu­cher unbe­kann­ter Dau­er der Köl­ner Jour­na­lis­ten­schu­le, der bis­her unter ande­rem für den Spie­gel, die TAZ und die Zeit geschrie­ben hat. So rich­tig hat das Jour­na­lis­ti­sche bis­her wohl nicht gefruch­tet, und auch die eige­ne Dis­ser­ta­ti­on scheint kein künf­ti­ger Teil des Lebens von Herrn Kra­mer zu sein. Also ver­sucht man es doch ein­mal wie­der mit dem The­ma Dok­tor­ti­tel und aka­de­mi­schen Ghost­wri­tern. Und da die­ses The­ma von den Medi­en schon des Öfte­ren reich­lich breit getre­ten wur­de, tut man dies­mal viel­leicht auf Schrift­stel­ler, um sich vom täg­li­chen Jour­na­lis­mus abzu­he­ben zu ver­su­chen, macht des­halb ein Buch dar­aus, lässt sich von sei­nen Jour­na­lis­ten­kol­le­gin­nen und -kol­le­gen zum Zwe­cke der Eigen­wer­bung in Print­me­di­en inter­view­en und war­tet ein­fach mal auf mit media­len Slo­gans wie „Der Dok­tor­ti­tel gehört abge­schafft“, wenn einem sonst nichts ande­res ein­fällt als auf Skan­dal erhei­schen­den, wenn auch doch schon ziem­lich älte­ren und zuneh­mend abge­dro­sche­nen Gäu­len immer noch mit auf­zu­sprin­gen.

Was kann aus einem sol­chen Gesamt­an­sin­nen her­aus­kom­men? Die Spit­zen­for­mu­lie­rung, das Klügs­te bei der Erstel­lung einer Dis­ser­ta­ti­on sei es heut­zu­ta­ge wohl, sehr lan­ge Pas­sa­gen wort­wört­lich zu kopie­ren und ohne Fuß­no­ten anzu­brin­gen. Eine ande­re Art des Pla­gia­tie­rens als die­se sei wesent­lich unsi­che­rer, denn bei kur­zen Pas­sa­gen, die pla­gia­tiert wür­den, wür­den die Stil­brü­che stär­ker auf­fal­len und Fuß­no­ten wür­den den kri­ti­schen Leser ohne­hin erst auf das Ori­gi­nal brin­gen. Noch schlech­ter sei­en Phan­tom­zi­ta­te, d.h. zitier­te Lite­ra­tur, die es gar nicht gibt, oder das Zitie­ren von Pas­sa­gen, die dort gar nicht ste­hen. Auch nicht so gut sei­en Über­set­zun­gen von Dis­ser­ta­tio­nen aus einer frem­den Spra­che ins Deut­sche, denn den paar Fach­au­to­ren, die die­ses The­ma tat­säch­lich inter­es­sie­ren wür­de und die es immer gebe, wür­de das wohl auf­fal­len.

Einen aka­de­mi­schen Ghost­wri­ter hat Herr Kra­mer für die Recher­che sei­nes Buches auch ein­mal ange­ru­fen. 10.000 € soll­te die Arbeit kos­ten und nach einem hal­ben Jahr wäre sie fer­tig gewe­sen.

Auch die völ­lig neue Erkennt­nis gibt Herr Kra­mer heu­te in Zei­tungs­in­ter­views zum bes­ten, dass es immer noch Pro­mo­ti­ons­ver­mitt­ler gäbe, die Dok­to­ran­den und Pro­fes­so­ren zusam­men­bräch­ten . Inter­es­sant ist in die­sem Zusam­men­hang, dass nach dem Fall eines Han­no­ve­ra­ner Pro­fes­sors, der von einer Ver­mitt­lungs­fir­ma besto­chen wor­den sein soll, das Geschäft der Pro­mo­ti­ons­ver­mitt­ler spür­bar zurück­ge­gan­gen sei. Woher Herr Kra­mer der­lei betriebs­in­ter­nes Insi­der­wis­sen hat, dass sicher­lich kein ein­zi­ger Pro­mo­ti­ons­ver­mitt­ler mit ihm tei­len wür­de, bleibt das tie­fe Geheim­nis Herrn Kramers.

Ein Ehren­dok­tor wäre noch eine Mög­lich­keit, um an einen Dok­tor­ti­tel zu kom­men. Dazu müs­se man aber rela­tiv viel Geld hin­le­gen, so Herr Kra­mer wei­ter. Der ehe­ma­li­gen Bil­dungs­mi­nis­te­rin Annet­te Scha­van, die ihren ech­ten Dok­tor­ti­tel ver­lo­ren hat­te, sei ein sol­cher Dr. h.c. Von der Uni­ver­si­tät Lübeck ver­lie­hen wor­den, weil die noch als Bil­dungs­mi­nis­te­rin die dor­ti­ge Uni­ver­si­täts­me­di­zin geret­tet habe. Auch der SAP-Mit­be­grün­der Has­so Platt­ner habe der Uni­ver­si­tät Pots­dam wohl eine ordent­li­che Stan­ge Geld hin­ge­legt, um einen Dr. h.c. von ihr zu erhal­ten.

Und vor allen Din­gen der Dok­tor­ti­tel in Medi­zin sei viel ein­fa­cher als in ande­ren Fächern, und das sei unge­recht und zei­ge, wie absurd die gesell­schaft­li­che Hoch­ach­tung vor dem Dok­tor­ti­tel sei. Auch das ist nicht nur eine hoch inter­es­san­te nagel­neue Nach­richt, son­dern so abge­dro­schen und in ihrer Pau­scha­li­tät unzu­tref­fend wie alles, was er Kra­mer sei­nen Jour­na­lis­ten­freun­den zuvor auch schon aufs Ton­band geflö­tet hat, wenn denn ein Ton­band über­haupt zum Ein­satz kam und die gan­zen Inter­views nicht gleich prak­ti­scher­wei­se ein­fach erfun­den wur­den.

Aus die­sem gan­zen Quast zieht die­ser jun­ge Herr Autor, der gera­de ein­mal dem Stu­den­ten­le­ben ent­fleucht sein könn­te, die tie­fe Weis­heit, dass der Dok­tor­ti­tel abge­schafft gehör­te – wegen all die­sen Schum­me­lei­en. Ande­re Beru­fe wür­den einen sol­chen Rit­ter­schlag auch nicht ken­nen, und der Dok­tor­ti­tel sei vor allem ein Aus­druck sozia­ler Selek­ti­on.

Der Begrün­der der Zeit , Gerd Bude­ri­us, der Begrün­der des Spie­gel, Rudolf Aug­stein, oder der weit­hin bekann­te und geschätz­te Mit­her­aus­ge­ber der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung, Frank Schirr­ma­cher, wür­den sich hof­fent­lich gemein­schaft­lich im Grab her­um­dre­hen, wenn ihnen der­lei „Werk“ und die dazu­ge­hö­ri­ge Medi­en­be­richt­erstat­tung, alle­samt ihrer Berufs­kol­le­gen, zu Gesicht kom­men wür­den. Und hin­zu­zu­fü­gen sei zu alle­dem viel­leicht noch, dass es doch die Medi­en sind, ins­be­son­de­re die Print­me­di­en, die die wah­ren Pla­gia­teu­re unse­rer Zeit sind. Man kau­fe sich ein­fach ein­mal fünf x-belie­bi­ge Tages­zei­tun­gen und lese sie alle fünf auch. Das hat Ghostwriter.nu schon im Jahr 2012 genau­so geäu­ßert. Wor­auf­hin sich die Ber­li­ner Tages­zei­tung „Ber­li­ner Kurier“ belei­digt wie eine Ber­li­ner Leber­wurst an einer Retour­kut­sche ver­sucht hat, aber irgend­wie nur halb­her­zig; der Arti­kel gegen Ghostwriter.nu war ein­fach zu kurz.

Und was es mit der Ver­bin­dung von Dok­tor­ti­tel, Pla­gi­at und Ghost­wri­ter auf sich hat, die auch Herr Kra­mer wie­der ein­mal bemüht, dar­über hat Ghostwriter.nu auf der Web­sei­te „Der Begriff Ghost­wri­ting“, Abschnitt „Beson­der­heit wis­sen­schaft­li­ches bzw. aka­de­mi­sches Ghost­wri­ting – Poli­ti­sie­rung“ auch bereits Stel­lung genom­men.

Quel­len und ver­wand­te Links:
Kra­mer, Bernd: Der schnells­te Weg zum Dok­tor­ti­tel. War­um selbst schrei­ben, wenn’s auch anders geht? Rie­mann Ver­lag 27.10.2014.
Ghostwriter.nu: Aktu­el­les zur aka­de­mi­schen Ghost­wri­ter-Bran­che (alt) , letz­ter Abschnitt „Die größ­ten Pla­gia­teu­re“.
Debi­on­ne, Phil­ip­pe: An Titeln ver­die­nen. Das gro­ße Geschäft mit dem fal­schen Dok­tor. In: Ber­li­ner Kurier vom 04.05.2012, http://www.berliner-kurier.de/politik—wirtschaft/an-titeln-verdienen-das-grosse-geschaeft-mit-dem-falschen-doktor-,7169228,15117106.html (Stand 27.10.2014).
Ghostwriter.nu: Der Begriff Ghost­wri­ting – Beson­der­heit wiss­sen­schaft­li­ches bzw. aka­de­mi­sches Ghost­wri­ting – Poli­ti­sie­rung