Einigung in Bildungsfragen ist nicht möglich!

(Ghost­wri­ter.nu) Nicht sel­ten ver­su­chen sich Lan­des­po­li­ti­ker und ande­re an Bil­dung Betei­lig­te in Bil­dungs­fra­gen zu eini­gen, da Bil­dung Län­der­sa­che ist, auf Län­der­ebe­ne. Doch die bil­dungs­po­li­ti­schen Vor­stel­lun­gen der zwei Par­tei­en­blö­cke sind unver­ein­bar und nicht kom­pro­miss­fä­hig, wie man zuletzt an Hes­sen sieht.

Ende 2013 ver­ab­re­de­te die schwarz-grü­ne Koali­ti­on im Bun­des­land Hes­sen in ihrem Koali­ti­ons­ver­trag, dass alle Schu­le Betei­lig­te und die Frak­tio­nen im Land­tag zu einem Bil­dungs­gip­fel ein­ge­la­den wer­den soll­ten, um eine Ver­ein­ba­rung über die Schul­ent­wick­lung in Hes­sen für die nächs­ten zehn Jah­re zu errei­chen. Denn es soll­te Pla­nungs­si­cher­heit für die Schu­len her, für die Schul­trä­ger und natür­lich auch für die Eltern. Außer­dem soll­te der unpro­duk­ti­ve und ideo­lo­gisch auf­ge­la­de­ne Schul­kampf in Hes­sen nach Mög­lich­keit been­det wer­den.

Im Juli 2014 lud der Kul­tus­mi­nis­ter Alex­an­der Lorz (CDU) Besag­te ein. Der FDP-Bil­dungs­po­li­ti­ker Wolf­gang Grei­lig sag­te gleich, dass der Bil­dungs­zie­le-Gip­fel nicht dar­über hin­weg­täu­schen kön­ne, dass die schwarz-grü­ne Koali­ti­on abge­se­hen von ihren bis­he­ri­gen schö­nen Wor­ten über­haupt nichts für den Schul­frie­den getan hät­te. Im Sep­tem­ber 2014, also vor etwas mehr als einem hal­ben Jahr, tra­fen sich zum ers­ten Mal 36 Ver­tre­ter von Leh­rern, Eltern, Schü­lern, Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Poli­tik in Wies­ba­den. Die Vor­sit­zen­de der Lin­ke-Frak­ti­on Jani­ne Wiss­ler sag­te sofort, die­ses Tref­fen wür­de zu einer rei­nen Show­ver­an­stal­tung wer­den. Der SPD-Oppo­si­ti­ons­füh­rer Thors­ten Schä­fer-Güm­bel warn­te vor For­mel­kom­pro­mis­sen und hat­te kurz davor abge­lehnt, die Lei­tung einer neu­en Arbeits­grup­pe zu über­neh­men.

Und um was geht es in Hes­sen eigent­lich? Das­sel­be wie in ande­ren Bun­des­län­dern auch. Es geht dar­um, wie lan­ge Haupt­schu­len noch trag­bar sein sol­len; ob und wie Haupt-und Real­schu­len zu Gemein­schafts­schu­len, Ganz­tags­schu­len oder Sekun­dar­schu­len umge­wan­delt wer­den sol­len und was hin­ter die­sen Wor­ten tat­säch­lich ste­cken soll; und ob es viel­leicht einen aus kon­ser­va­ti­ver Sicht Schul­ein­heits­brei geben soll­te oder nicht, in dem Haupt­schu­le, Real­schu­le und Gym­na­si­um kei­ne unter­schied­li­chen Schu­len mehr sind, son­dern bes­ten­falls glei­ten­de, trans­pa­ren­te und mit Roll­bän­dern und Roll­stu­fen ver­se­he­ne Schul­stu­fen, durch die aus rot-grün-roter Sicht mög­lichst alle Schü­ler mög­lichst bewe­gungs- und arbeits­arm zu Stu­di­um, Bache­lor, Mas­ter, Ein­ser-Pro­mo­ti­on und natür­li­cher Bun­des­kanz­ler­schaft geführt wer­den sol­len – selbst­ver­ständ­lich ohne Hil­fe von Ghost­wri­tern. Indi­vi­du­el­le För­de­rung und Rea­li­sie­rung der Gleich­heit nennt das der ande­re Par­tei­en­block, der den Kon­ser­va­ti­ven, wie­der­um vor­wirft, ohne Ein­heits­schu­le Ungleich­heit und unglei­che Chan­cen schon im Kin­des­al­ter zu zemen­tie­ren und für ewig fort­zu­schrei­ben. Die Kon­ser­va­ti­ven ver­lan­gen die Bei­be­hal­tung des drei-oder zumin­dest zwei­glied­ri­gen Schul­sys­tems mit Haupt­schu­le, Real­schu­le und Gym­na­si­um als bes­te Lösung der Respek­tie­rung und För­de­rung indi­vi­du­el­ler Fähig­kei­ten; die Exis­tenz der Haupt­schu­le ist unter Kon­ser­va­ti­ven mitt­ler­wei­le auch nicht mehr unbe­strit­ten.

Und so wie in ande­ren Bun­des­län­dern gibt es auch in Hes­sen eine Eini­gung in die­sem Bil­dungs­kampf, und die besteht aus kei­ner Eini­gung. So hat sich in Hes­sen zuerst der SPD-Oppo­si­ti­ons­füh­rer Schä­fer-Güm­bel von die­sem Bil­dungs­gip­fel abge­wandt, dann Minis­ter­prä­si­dent Bouf­fier (CDU), gefolgt von Kul­tus­mi­nis­ter Lorz (CDU), der Lin­ke-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Wiss­ler, dann FDP-Bil­dungs­po­li­ti­ker Grei­lich, und dann folg­ten die Ver­tre­ter des Lan­des­el­tern­bei­rats, der Lan­des­schü­ler­ver­tre­tung, der Gewerk­schaft GEW und zuletzt auch noch der Phi­lo­lo­gen­ver­band. Minis­ter­prä­si­dent Bou­vier hat­te übri­gens wohl­weis­lich die­sen Bil­dungs­streit bzw. Bil­dungs­kampf bzw. Bil­dungs­gip­fel nicht zu sei­ner Chef­sa­che gemacht. Und wer bei die­ser Auf­zäh­lung die Grü­nen ver­misst: Sie waren es, die glaub­ten, dass eine har­mo­ni­sche Eini­gung in die­sem Schul­streit nicht nur im Bun­des­land Hes­sen mög­lich wäre. Das jet­zi­ge Ergeb­nis, dass zumin­dest in Hes­sen eben doch kei­ne Eini­gung mög­lich ist, wur­de in der Tat zu einem Erkennt­nis­ge­winn ver­bruz­zelt.

Viel­leicht soll­ten die Bil­dungs­po­li­tik-Betei­lig­ten sich ein­mal von den Ghost­wri­tern und Bera­tern von Ghostwriter.nu bera­ten las­sen?