Baden-Württemberg will pädagogische Hochschulen abschaffen

Zusam­men mit dem so ver­schul­ten wie über­frach­te­ten Bache­lor­stu­di­en­gang wird die aka­de­mi­sche Aus­bil­dung in Deutsch­land wei­ter ver­schlech­tert.

Die grün-rote Regie­rung in Baden-Würt­tem­berg will aus einem mehr­glied­ri­gen ein zwei­glied­ri­ges Schul­sys­tem machen. Dem­entspre­chend soll auch die Leh­rer­aus­bil­dung in die­sem Bun­des­land geän­dert wer­den.

Lehr­amts­stu­den­ten für alle Schul­ar­ten sol­len künf­tig zehn Semes­ter lang stu­die­ren – sechs Semes­ter Bache­lor und vier Semes­ter Mas­ter. Der­zeit stu­die­ren ange­hen­de Gym­na­si­al­leh­rer noch zehn Semes­ter, Son­der­päd­ago­gen neun Semes­ter, Grund-, Werk­re­al-, Haupt- und Real­schul­leh­rer jeweils acht Semes­ter, alle­samt noch mit dem Staats­ex­amen als Stu­di­en­ab­schluss.

Im Rah­men die­ser ver­än­der­ten Hoch­schul­aus­bil­dung für Leh­rer sol­len die päd­ago­gi­schen Hoch­schu­len geschlos­sen und in die bestehen­den Uni­ver­si­tä­ten inte­griert wer­den. Bis­her stu­die­ren hier ange­hen­de Leh­rer für Grund­schu­len, Haupt­schu­len, Werk­re­al­schu­len, Real­schu­len sowie Son­der­schu­len in Frei­burg, Hei­del­berg, Lud­wigs­burg, Schwä­bisch Gmünd und Wein­gar­ten. Baden-Würt­tem­berg ist das ein­zi­ge Bun­des­land, das sei­ne päd­ago­gi­schen Hoch­schu­len noch nicht geschlos­sen und in die bestehen­den Hoch­schu­len inte­griert hat.

Im Zuge des­sen soll auch der Stu­di­en­gang „Lehr­amt Son­der­päd­ago­gik“ abge­schafft wer­den. Im Rah­men der soge­nann­ten Inklu­si­on wird davon aus­ge­gan­gen, dass ent­wick­lungs­ver­zö­ger­te Kin­der hin­sicht­lich des Ler­nens, der sozi­al-emo­tio­na­len Ent­wick­lung und der Spra­che im Pri­mar- und Sekun­dar­be­reich in den nor­ma­len Schul­be­trieb inte­griert wer­den kön­nen. Für alle übri­gen För­der­be­rei­che sol­len Schwer­punkt­schu­len ein­ge­rich­tet wer­den; die bis­her skiz­zier­te neue Leh­rer­aus­bil­dung soll hier­zu ent­spre­chen­de Stu­di­en­schwer­punk­te ent­hal­ten.

Damit soll es ein eige­nes Lehr­amts­stu­di­um an Gym­na­si­en in Baden-Würt­tem­berg bald nicht mehr geben – immer­hin der Ort, an dem auch in Baden-Würt­tem­berg (noch) die „All­ge­mei­ne Hoch­schul­rei­fe“ erlangt wer­den soll. Die­se Pla­nun­gen kon­gru­ie­ren mit der bil­dungs­po­li­ti­schen Vor­stel­lung der grün-roten Lan­des­re­gie­rung in Baden-Würt­tem­berg, letzt­lich eine Ein­heits­schu­le zu „bau­en“.

Wie soll das in die­sem Bun­des­land qua­li­fi­ziert wei­ter gehen? Auch aka­de­mi­sche Ghost­wri­ter ste­hen jetzt schon und dies zuneh­mend vor dem Pro­blem, dass vor allem Bache­lor­stu­den­ten teil­wei­se in einem sol­chen Aus­maß ele­men­ta­re wis­sen­schaft­li­che Kennt­nis­se und Arbeits­tech­ni­ken feh­len, dass ihnen auch von drit­ter Sei­te, und sei die­se noch so gut qua­li­fi­ziert, schwer bis kaum zu hel­fen ist. Und die­ses gegen­über den bis­he­ri­gen Diplom- und Magis­ter­stu­di­en­gän­gen deut­lich gesun­ke­ne aka­de­mi­sche Aus­bil­dungs­ni­veau soll jetzt ins Gym­na­si­um vor­ge­zo­gen wer­den?

Harald Bahner

Teil-Quel­le die­ser News und in Anleh­nung an:
Schmoll, Hei­ke: Nicht für die Schu­le, für die Stu­fe ler­nen wir. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 28.03.2013, S 7.