Aktuell: Hochschulgesetze – Studienfinanzierung – Schulfach Wirtschaft

Bran­den­burg will mit einem neu­en Hoch­schul­ge­setz den Stu­di­en­zu­gang deut­lich erleich­tern. Wäh­rend­des­sen ver­schärft sich der Dis­put über das geplan­te neue Hoch­schul­ge­setz in Nord­rhein-West­fa­len. – Die Kos­ten für das Erst­stu­di­um sind end­gül­tig steu­er­lich nicht absetz­bar. – Und ein Schul­fach Wirt­schaft ist weni­ger gewollt denn je.

Hoch­schul­ge­set­ze

Das Land Bran­den­burg will mit sei­nem neu­en Hoch­schul­ge­setz den Hoch­schul­zu­gang öff­nen wie nach den Wor­ten des Minis­ter­prä­si­den­ten Diem­tar Woid­ke (SPD) nir­gend sonst in Deutsch­land. Auch Hand­werks­meis­ter oder Men­schen mit einer Berufs­aus­bil­dung und zwei Jah­ren Berufs­er­fah­rung sol­len künf­tig stu­die­ren dür­fen. Und mit einer Fach­hoch­schul­rei­fe soll künf­tig auch an Uni­ver­si­tä­ten stu­diert wer­den kön­nen.
Letz­te­res wäre tat­säch­lich ein­ma­lig in Deutsch­land, ers­te­res indes nicht. Hand­werks­meis­ter oder Berufs­tä­ti­ge ohne Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung mit genau den­sel­ben Vor­aus­set­zun­gen wie jetzt vom Land Bran­den­burg geplant kön­nen in eini­gen Bun­des­län­dern seit vie­len Jah­ren schon ein Stu­di­um auf­neh­men, wenn sie das wol­len. Vor­rei­ter in die­ser Hin­sicht ist schon seit Jahr­zehn­ten Nord­rhein-West­fa­len.

Hier, in Nord­rhein-West­fa­len, spitzt sich der Streit um das neue Hoch­schul­ge­setz in die­sem Bun­des­land indes wei­ter zu. Die Vor­sit­zen­de der Hoch­schul­rä­te in NRW heißt näm­lich Annet­te Fug­mann-Heesing, und die war ein­mal u.a. SPD-Lan­des­fi­nanz­mi­nis­te­rin in Hes­sen. Sie warf ihrer Par­tei­ge­nos­sin und NRW-Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze ges­tern einen „Rück­fall in den Regu­lie­rungs­ei­fer durch Minis­te­ri­en“ (zit. o.V. 2014 (2)) vor. Bemer­kens­wert auch: Über 800 Wis­sen­schaft­ler haben sich mitt­ler­wei­le der For­de­rung ange­schlos­sen, der Ent­wurf des geplan­ten neu­en NRW-Hoch­schul­ge­set­zes sol­le kom­plett zurück­ge­zo­gen (!) wer­den.

Stu­di­en­fi­nan­zie­rung

Ein Jura­stu­dent mit Neben­ein­künf­ten hat es nicht geschafft und damit end­gül­tig Klar­heit über das Ver­wirr­spiel der steu­er­li­chen Absetz­bar­keit des Erst­stu­di­ums geschaf­fen. Er woll­te sei­ne Mie­te als auch sei­ne Neben­kos­ten für sei­nen Woh­nung am Stu­di­en­ort von der Steu­er abset­zen. Lan­ge Jah­re hat­te der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, ein Erst­stu­di­um sei steu­er­lich nicht absetz­bar. Dann ent­schied ein Rich­ter am Bun­des­fi­nanz­hof, unmit­tel­bar bevor er in Ren­te ging, das Gegen­teil. Dar­auf berief sich der Jura­stu­dent – und schei­ter­te. Der Bun­des­ge­richts­hof kehr­te mit Urteils­ver­öf­fent­li­chung von ges­tern zu sei­ner läng­jäh­ri­gen Recht­spre­chungs­pra­xis zurück: Das Erst­st­di­um bleibt end­gül­tig steu­er­lich nicht absetz­bar.

Schul­fach Wirt­schaft

Vor über 10 Jah­ren pass­te zwi­schen dem Deut­schen Gewerk­schafts­bund (DGB) und der Arbeit­ge­ber­ver­ei­ni­gung (BDA) kein Blatt: Die Ein­füh­rung des Schul­fachs Wirt­schaft in den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len aller Jahr­gangs­stu­fen muss­te her, bun­des­weit. Die­se Zei­ten sind vor­bei. Die Gewerk­schaf­ten fürch­ten jetzt, dass mit einem Schul­fach Wirt­schaft der „Neo­li­be­ra­lis­mus“ in die Schu­len kommt. „In neue­ren Stel­lung­nah­men war­nen der DGB und die Gewerk­schaft Erzie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) vor einer ein­sei­ti­gen Ver­ein­nah­mung öko­no­mi­scher Bil­dung durch Öko­no­men und spre­chen sich gegen ein monodis­zi­pli­nä­res Fach Wirt­schaft aus. Öko­no­mi­sche Fra­ge­stel­lun­gen müss­ten im Zusam­men­hang mit gesell­schaft­li­chen, poli­ti­schen und öko­lo­gi­schen Aspek­ten behan­delt wer­den.“ (zit. Becker 2014). Eben­so

äußert sich der Frank­fur­ter Pro­fes­sor für die Didak­tik der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten Tim Engart­ner: Wirt­schafts­wis­sen­schaft sei Teil der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten und kon­kret der Poli­tik­wis­sen­schaf­ten bzw. der poli­ti­schen Bil­dung; andern­falls dro­he die „Total­be­wirt­schaf­tung des Lebens“ mit­tels Kos­ten-Nut­zen-Kal­ku­la­tio­nen (zit. Engart­ner nach Becker 2014).

Dabei läuft seit dem Jahr 2012 in Nord­rhein-West­fa­len ein Modell­ver­such. Ursprüng­lich 30 Real­schu­len soll­ten dort das Fach Wirt­schaft sepa­rat unter­rich­ten. Ein „Run“ der Real­schu­len auf die­sen Fach­un­ter­richt führ­te dazu, das mitt­ler­wei­le 70 Real­schu­len an die­sem Modell­ver­such teil­neh­men. 80 Pro­zent der betref­fen­den Real­schü­ler spre­chen sich mitt­ler­wei­le unein­ge­schränkt für das sepa­ra­te Fach Wirt­schaft aus.

Das will die NRW-Lan­des­re­gie­rung nach Mög­lich­keit auch ändern. Aus „Wirt­schaft“ soll nächs­tes Jahr „Ver­brau­cher­bil­dung“ wer­den, die sich kon­kret Fra­gen des Kon­sums, der Ernäh­rung, der Gesund­heit und der Ver­ant­wor­tung für sich und ande­re wid­met.

Quel­len die­ser News:

Hoch­schul­ge­set­ze:
o. V. 2014 (1): Bil­dungs­re­form in Bran­den­burg. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 08.01.2014, S. 4.
o. V. 2014 (2): Wis­sen­schaft­ler gegen „Rück­fall in Regu­lie­rungs­ei­fer“. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 09.01.2014, S. 4.
Ghostwriter.nu: „Hoch­schulent­mün­di­gungs­ge­setz“ in Nord­rhein-West­fa­len? News vom 20.12.2013.
Ghostwriter.nu: NRW-Hoch­schul­ge­setz immer stär­ker unter Beschuss. News vom 27.12.2013.
Ghostwriter.nu: Neu­es Hoch­schul­ge­setz auch in Baden-Würt­tem­berg. News vom 30.12.2013.

Stu­di­en­fi­nan­zie­rung:
o. V. 2014 (3): Kos­ten fürs Erst­stu­di­um nicht absetz­bar. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 09.01.2014, S. 10.
Bun­des­fi­nanz­hof: Kos­ten eines Stu­di­ums, das eine Erst­aus­bil­dung ver­mit­telt, sind grund­sätz­lich nicht abzieh­bar. Urteil vom 05.11.13 , VIII R 22/12. Pres­se­mit­tei­lun­gen Nr. 1 vom 08.01.2014. Bun­des­fi­nanz­hof Urteil vom 5.11.2013, VIII R 22/12

Schul­fach Wirt­schaft:
Becker, Lisa: Schü­ler wol­len Wirt­schaft als Fach – Grü­ne nicht. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 09.01.2014, S. 10.