Achtung EU-Bürger vor akademischen Ghostwritern mit Sitz in der Schweiz (1)

Heu­te möch­te ich EU-Bür­ger vor aka­de­mi­schen Ghost­wri­tern mit Sitz in der Schweiz war­nen. Die­se War­nung betrifft, bezo­gen auf den deutsch­spra­chi­gen Raum, Kun­den aus Deutsch­land und Öster­reich. Schwei­zer Kun­den betrifft die­se War­nung selbst­ver­ständ­lich nicht – auch nicht in umge­kehr­ter Rich­tung!

Die Schweiz ist als Nicht-EU-Land trotz viel­fäl­ti­ger recht­li­cher, wirt­schaft­li­cher und sozia­ler Asso­zi­ie­rungs­ab­kom­men mit der Euro­päi­schen Uni­on und ins­be­son­de­re mit Deutsch­land für Unter­neh­men mit unlau­te­ren Absich­ten ein „Para­dies“.

Wäh­rend unter dem von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on unter­stütz­ten so genann­ten „Euro­pean Busi­ness Regis­ter (EBR)“ in 19 von 27 EU-Län­dern plus wei­te­ren 6 euro­päi­schen Nicht-EU-Län­dern Unter­neh­mens­in­for­ma­tio­nen ein­schließ­lich Namen und Anschrift der Geschäfts­füh­rer, der tat­säch­li­chen Anschrift des Unter­neh­mens, dem Grün­dungs­da­tum oder jedem bilan­zi­el­len Jah­res­ab­schluss und damit der tat­säch­li­chen Unter­neh­mens­grö­ße ein­fach und schnell online über die jewei­li­gen natio­na­len Unter­neh­mens­re­gis­ter im Inter­net auf­ruf­bar sind – in Deutsch­land unter www.unternehmensregister.de -, gibt es eine sol­che Ein­rich­tung in der Schweiz nicht.

Über­blick über die im „Euro­pean Busi­ness Regis­ter (EBR)“ zusam­men geschlos­se­nen Unter­neh­mens­re­gis­ter-Platt­for­men in Euro­pa
(Quel­le: http://www.ebr.org/section/75/index.html)

Seit dem erschüt­tern­den 01.04.2012 – das war vor acht Wochen und vier Tagen – hat das Schwei­zer Bun­des­ge­setz gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb (UWG) nun end­lich einen Pas­sus, der eine Impres­sums­pflicht für kom­mer­zi­el­le Web­sites vor­schreibt. Wört­lich heißt es hier in Art. 3, Absatz s.13:

Unlau­ter han­delt ins­be­son­de­re, wer: … Waren, Wer­ke oder Leis­tun­gen im elek­tro­ni­schen Geschäfts­ver­kehr anbie­tet und es dabei unter­lässt … kla­re und voll­stän­di­ge Anga­ben über sei­ne Iden­ti­tät und sei­ne Kon­takt­adres­se ein­schliess­lich der­je­ni­gen der elek­tro­ni­schen Post zu machen.“
(Quel­le: http://www.admin.ch/ch/d/sr/c241.html, PDF-Ver­si­on, S. 4 oben)

Zum Ver­gleich: In Deutsch­land besteht die­se Impres­sums­pflicht seit dem 22.07.1997. Das war vor 15 Jah­ren! (Quel­le: http://de.wikipedia.org/wiki/Impressumspflicht)

Recht­lich gese­hen ist die Schweiz für deut­sche und öster­rei­che Pri­vat­kon­su­men­ten Chi­na. Das so genann­te “ Luga­no-Über­ein­kom­men über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen (LGVÜ)“ bestimmt im inhalt­li­chen Kern zwar, dass „aus­län­di­sche“ Gerichts­ent­schei­dun­gen, d.h. aus Schwei­zer Sicht aúch deut­sche oder öster­rei­chi­sche, ohne erneu­tes Gerichts­ver­fah­ren aner­kannt wer­den müs­sen. In der Pra­xis in den­noch unju­ris­tisch gesagt ein „Aner­ken­nungs­ver­fah­ren“ aus­län­di­scher Gerichts­ur­tei­le in der Schweiz not­wen­dig; Schwei­zer Behör­den, zu denen auch Schwei­zer Gerich­te gehö­ren, ver­schi­cken jedoch grund­sätz­lich kei­ne Post ins „Aus­land“; eine Schwei­zer Anschrift in Rechts­ver­fah­ren ist damit Pflicht, ein Schwei­zer Rechts­an­walt damit unum­gäng­lich; der kos­tet 250,- Schwei­zer Fran­ken (CHF) pro Stun­de auf­wärts = 208,- EUR pro Stun­de per Stand 31.05.2012, weil es in der Schweiz ein deut­sches „Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz“ (bis Juli 2004 „Bun­des­rechts­an­walts­ge­büh­ren­ord­nung (BRAGO)“) oder ein öster­rei­chi­sches Rechts­an­walts­ta­rif­ge­setz und All­ge­mei­ne Hono­rar­kri­te­ri­en für Rechts­an­wäl­te in die­sen For­men nicht gibt. Wel­che Pri­vat­per­son tut sich die­ses Schwei­zer „Aner­ken­nungs­ver­fah­ren“ und einen Schwei­zer Rechts­an­walt zu die­sen letzt­lich unkal­ku­lier­ba­ren Kos­ten an, wenn etwas schief geht?

Die­ser Gesamt­um­stand ist der tat­säch­li­che Grund, war­um es aka­de­mi­sche Ghostwriter-„Unternehmen“ in der Schweiz gibt wie das namen­lo­se Unter­neh­men, das die Web­sites Studien-erfolg.com, Schreiberfolg.com, Das-Referat.com und Der-Aufsatz.com „betreibt“. Sys­te­ma­tisch nut­zen die­se „Unter­neh­men“ das recht­lich euro­päi­sche Chi­na namens Schweiz aus, um auf hoch pro­fes­sio­nel­len Web­sites

  • betrü­ge­ri­sche Inhal­te anzu­bie­ten, kon­kret die Erstel­lung von Haus­ar­bei­ten, Semi­nar­ar­bei­ten, Auf­sät­zen, Essays und Refe­ra­ten sowie Hoch­schul­ab­schluss­ar­bei­ten – Diplom­ar­bei­ten, Bache­lor­ar­bei­ten bzw. Bache­lor The­sis, Mas­ter­ar­bei­ten bzw. Mas­ter The­sis inner­halb von 24 Stun­den zum Down­load - mit Geld-zurück-Garan­tie;
  • dabei kein ordent­li­ches Impres­sum haben, d.h. kei­nen (Firmen)Namen und kei­ne Fir­men­be­zeich­nung – und sei es eine Ein­zel­per­son -, und
  • im Impres­sum eine Schein­adres­se vor­nehm­lich in der Schweiz anfüh­ren, die nicht exis­tiert, damit recht­lich gegen sie nicht vor­ge­gan­gen wer­den kann;
  • die­se Web­sites sind regis­triert über so genann­te Anony­mi­sie­rungs­diens­te vor­nehm­lich in Nord­ame­ri­ka (meist USA oder Kana­da) oder Süd­ost­asi­en (meist Hong­kong oder Sin­ga­pur) oder über Sofort-Web­site-Diens­te in die­sen Län­dern, die die betref­fen­de Web­site in eige­nem Namen regis­trie­ren, d.h. man bekommt nicht her­aus, wer tat­säch­lich hin­ter die­sen Web­sites steckt, und
  • schein­bar kun­den­freund­li­che kos­ten­lo­se 0800-er Tele­fon­num­mern, die ange­bo­ten wer­den, füh­ren zu einem Anruf­be­ant­wor­ter mit der Ansa­ge einer weib­li­chen Stim­me in einer ost­eu­ro­päi­schen Spra­che – zumin­dest war das bei mei­nen Tests am 26.03.2012 abends so -, und
  • in den betref­fen­den Web­site-HTML-Tex­ten ist teil­wei­se das Fol­gen von Such­ma­schi­nen-Robots deak­ti­viert, d.h. die­se Web­sites sol­len nicht von Such­ma­schi­nen gefun­den und auf­ge­lis­tet wer­den; es sol­len kei­ne Spu­ren der Ver­gan­gen­heit ent­ste­hen; bewor­ben wer­den die betref­fen­den Web­site der­zeit mas­siv nur mit­tels Goog­le-AdWor­ds, um ganz oben in den rele­van­ten Such­ergeb­nis­sen zu ste­hen – und um jeder­zeit ohne Internet-„Historie“ wie­der abge­schal­tet wer­den zu kön­nen, wenn es für die­se „Unter­neh­men“ brenz­lig wird; und
  • Sie wer­den auf die­sen Web­sites nach einem Online-Bestell­vor­gang zur vol­len Vor­aus­zah­lung über PayPal auf­ge­for­dert; auch Kre­dit­kar­ten­zah­lun­gen über Paypal sind mög­lich.

Bei der Bezah­lung per PayPal bezah­len Sie ledig­lich mit­tels einer Email-Adres­se. Käu­fer und Ver­käu­fer blei­ben ein­an­der anonym. Sie wis­sen also nicht, wer der Zah­lungs­emp­fän­ger ist. Nur PayPal selbst kennt die Trans­ak­tio­nä­re. Eben­so ver­hält es sich mit Kre­dit­kar­ten­zah­lun­gen über PayPal.

Sie wer­den Ihr Geld somit nie wie­der sehen – und eine adäqua­te Gegen­leis­tung auch nicht.

Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen hier­zu: Ghost­wri­ter.nu-NEWS Aktu­el­le War­nung vor Betrü­gern vom 26.03.2012.

Das „Eldo­ra­do“ Schweiz für unlau­te­re aka­de­mi­sche Ghost­wri­ter-Unter­neh­men macht seit­her sei­ne Run­den. Seit weni­gen Wochen ist ein nächs­ter „Kan­di­dat“ online: Ghost­wri­ter-bache­lor­ar­beit.com. O-Ton:

Wir schrei­ben Bache­lor­ar­bei­ten zu fai­ren Prei­sen. Sie suchen einen Ghost­wri­ter für eine Bacheo­r­ar­beit? Dann sind Sie bei uns genau rich­tig! Unser Team besteht aus hoch­qua­li­fi­zier­ten Aka­de­mi­kern, die in der Regel meh­re­re Stu­di­en­ab­schlüs­se mit Aus­zeich­nung abge­schlos­sen haben. Durch lang­jäh­ri­ge Erfah­rung und eine effek­ti­ve Orga­ni­sa­ti­on kön­nen wir Bache­lor­ar­bei­ten sehr güns­tig schrei­ben und den­noch eine erst­klas­si­ge Qua­li­tät garan­tie­ren. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt hohe Qua­li­tät zu klei­nen Prei­sen zu lie­fern und kei­ne Ver­spre­chun­gen zu machen, die wir nicht ein­hal­ten kön­nen. Das unter­schei­det und von unse­ren Mit­be­wer­bern. Dadurch das [sic.] wir uns als Ghost­wri­ter auf das Ver­fas­sen von Bache­lor­ar­bei­ten spe­zia­li­siert haben, sind wir in der Lage, die­se Form der schrift­li­chen Arbeit schnell und wis­sen­schaft­lich genau zu schrei­ben. Denn unse­re Auto­ren machen prak­tisch nichts ande­res als Bache­lor­ar­bei­ten zu ver­fas­sen. Dadurch besitzt jeder Autor sehr viel [sic.] Erfah­run­gen und eine umfang­rei­che Kom­pe­tenz als Ghost­wri­ter für Bache­lor­ar­bei­ten. Wir bie­ten Ihnen GARANTIERT den bes­ten Preis. Der Groß­teil unse­rer Kun­den sind Stu­den­ten mit wenig Geld. Unse­re Auto­ren ver­ste­hen das [sic.] man als Stu­dent kei­ne Unsum­men zur Ver­fü­gung hat, denn schließ­lich waren sie frü­her sel­ber [sic.] auch Stu­den­ten. Daher haben wir uns dazu ent­schlos­sen Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten ganz beson­ders güns­ti­ge Prei­se für Bache­lor­ar­bei­ten zu machen, näm­lich den bes­ten Preis im Inter­net! Wir behaup­ten güns­ti­ge Fest­prei­se zu haben und wenn Sie einen Anbie­ter fin­den, der Bache­lor­ar­bei­ten noch güns­ti­ger schreibt als wir machen wir fol­gen­des Ange­bot: Wir unter­bie­ten die­ses Ange­bot um 1 Eurro [sic.] pro Sei­te. Dadurch kön­nen wir garan­tie­ren, das [sic.] wir den bes­ten Preis für das Ver­fas­sen einer Bache­lor­ar­beit anbie­ten. Da wir zeit­wei­se sehr vie­le Auf­trä­ge haben, soll­ten Sie uns so früh wie mög­lich kon­tak­tie­ren, um die Ein­zel­hei­ten für Ihre Arbeit abzu­klä­ren.“
(Quel­le: Ghostwriter-bachelorarbeit.com)

Und wer steckt hin­ter die­sem „Ange­bot“ mit bemer­kens­wer­ten fünf gram­ma­ti­ka­li­schen und zahl­rei­chen Zei­chen­set­zungs-Feh­lern in die­sem kur­zen zitier­ten Text? „Ghost­wri­ter Bache­lor­ar­beit Schreib­ser­vice. Chris­ti­an Schulz, Bären­platz 13, 3040 Bern, ghostwriterbachelorarbeit@gmail.com “ (Quel­le: http://ghostwriter-bachelorarbeit.com/impressum.html). Nur: Die Post­leit­zahl des Bären­plat­zes in Bern in der Schweiz ist 3011, nicht 3040 (Quel­le: Goog­le Maps). Eine Tele­fon­num­mer die­ses „Anbie­ters“ suchen Sie ver­ge­bens. Dass die­se Web­site über den Anony­mi­sie­rungs­dienst Publicdomainregistry.com mit Sitz in Mum­bai (bis 1996 Bom­bay) in Indi­en über das Domain Name Sys­tem (DNS) „Anadoludns.com“ in der Tür­kei angeb­lich von einem Herrn Linh Wang in 3617 Tower 1, Lip­po Cent­re in Hong Kong regis­triert wur­de, ver­wun­dert dann auch nicht wei­ter.

Es gibt noch ande­re her­aus ragen­de Betrü­ger in der wis­sen­schaft­li­chen Ghost­wri­ter- und angeb­li­chen „Wissenschaftsberater“-Szene mit Sitz in der Schweiz.

Fort­set­zung folgt.
Harald Bahner