Der Begriff Ghostwriting

Ghost­wri­ting bezeich­net die Tätig­keit eines Ghostwriters.

Inhalt

Begriff und Definition
Geschich­te und Arten
Kri­tik
Beson­der­heit wis­sen­schaft­li­ches bzw. aka­de­mi­sches Ghostwriting
Poli­ti­sie­rung
Recht­li­ches
Anbie­ter

Begriff und Definition

Kommt der Begriff Ghost­wri­ter aus dem Eng­li­schen, deutsch Geis­ter-Schrei­ber, so ist der Begriff Ghost­wri­ting nicht Bestand­teil der eng­li­schen Spra­che, son­dern eine Wort­er­fin­dung im Deutschen.

Ein Ghost­wri­ter, deutsch Geis­ter-Schrei­ber, ist eine Per­son, die im Auf­trag einer ande­ren Per­son einen Text ver­fasst und die­ser ande­ren Per­son unter Über­tra­gung der urhe­ber­recht­li­chen Nut­zungs­rech­te gestat­tet, die­sen Text als eige­nen Text der Öffent­lich­keit zu präsentieren.

Die Über­tra­gung der urhe­ber­recht­li­chen Nut­zungs­rech­te ist in Deutsch­land gesetz­lich auf maxi­mal fünf Jah­re begrenzt. Danach kann eine Fol­ge­ver­ein­ba­rung zwi­schen Ghost­wri­ter und Kun­de abge­schlos­sen wer­den, der Ghost­wri­ter kann sei­ne Urhe­ber­schaft still­schwei­gend wei­ter ver­schwei­gen, weil er kein wei­te­res Inter­es­se an der Ver­wer­tung sei­nes Tex­tes hat; oder der Ghost­wri­ter kann ver­lan­gen, dass in wei­te­ren Publi­ka­tio­nen des Tex­tes sei­ne Urhe­ber­schaft in geeig­ne­ter Wei­se ver­merkt ist. Eine Über­tra­gung des ori­gi­nä­ren Urhe­ber­rechts ist recht­lich nicht möglich.

Geschichte und Arten

Ghost­wri­ting exis­tier­te und exis­tiert in allen gesell­schaft­li­chen Berei­chen, so ins­be­son­de­re im Poli­tik­be­reich, im Wirt­schafts­be­reich, bei der Erstel­lung von Bio­gra­fi­en, Erzäh­lun­gen und Roma­nen, in der Musik­bran­che oder im wis­sen­schaft­li­chen Bereich.

Die ältes­ten Zeug­nis­se des Ghost­wri­tings stam­men aus dem anti­ken Grie­chen­land, hier von den soge­nann­ten Logo­gra­phen als Reden­schrei­ber von Gerichts­re­den. Reden­schrei­ber als eine Unter­ka­te­go­rie oder Spe­zia­li­sie­rung von Ghost­wri­ting sind auch in der Poli­tik seit jeher weit ver­brei­tet. So haben heut­zu­ta­ge alle Poli­ti­ker höhe­ren Ran­ges Reden­schrei­ber. Jon Fav­reau ist der Reden­schrei­ber des US-Prä­si­den­ten Barack Oba­ma, David Gill und Wolf­ram Stier­le sind die Reden­schrei­ber des deut­schen Bun­des­prä­si­den­ten Joa­chim Gauck und Eva Chris­ti­an­sen ist die Lei­te­rin gleich eines gan­zen Refe­rats der Reden­schrei­ber von Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (Stand Ende 2014). Der Film „Der Ghost­wri­ter“ des welt­be­kann­ten Regis­seurs  Roman Polan­ski hat den Ghost­wri­ter bzw. Reden­schrei­ber im Poli­tik­be­trieb im Jahr 2011 fil­misch ver­ewigt. Auch im Wirt­schafts­be­trieb sind Reden­schrei­ber verbreitet.

Das bekann­tes­te Bei­spiel eines Ghost­wri­ting­ver­dach­tes in der bel­le­tris­ti­sche Lite­ra­tur ist wohl Wil­liam Shake­speare (1564–1616), dem bereits seit dem 18. Jahr­hun­dert unter­stellt wird, ent­we­der einen Ghost­wri­ter gehabt zu haben, der sei­ne Wer­ke ver­fass­te, even­tu­ell sogar meh­re­re Ghost­wri­ter, oder der ein Pseud­onym für den tat­säch­li­chen Ver­fas­ser und Urhe­ber gewe­sen sei, der nicht per­sön­lich in Erschei­nung tre­ten woll­te oder konn­te. Vor allem der berühm­te Phi­lo­soph Fran­cis Bacon und der Schrift­stel­ler Chris­to­pher Mar­lo­we, bei­des Zeit­ge­nos­sen Shake­speares, wer­den immer wie­der als die wah­ren Urhe­ber der Wer­ke Wil­liam Shake­speares gehan­delt. Im Deutsch­land jün­ge­rer Zeit kann bei­spiels­wei­se die Bio­gra­fie Die­ter Boh­lens „Nichts als die Wahr­heit“ genannt wer­den, deren Ghost­wri­te­rin Kat­ja Kes­sel war, die Frau des frü­he­ren BILD-Chef­re­dak­teurs und heu­ti­gen Gesamt­her­aus­ge­bers der BILD-Grup­pe Kai Diek­mann. Die­ter Boh­len war Mit­glied der Pop­band „Modern Tal­king“ und stän­di­ges Mit­glied der erfolg­rei­chen Cas­ting­show „Deutsch­land sucht den Super­star“ und „Das Supertalent“.

Im Musik­be­reich ist wohl ins­be­son­de­re im Hip­Hop und unter Rap­pern das Ghost­wri­ting ver­brei­tet. So soll der US-Rap­per Nas den Rap­per Jay Elec­tro­ni­ca als Ghost­wri­ter zumin­dest bei einem Song beschäf­tigt haben. Nas, des­sen Debüt­al­bum Ill­ma­tic aus dem Jahr 1994 heu­te als Mei­len­stein in der Hip­Hop-Sze­ne gilt, soll selbst für Will Smith (eigent­lich als Schau­spie­ler bekannt, ist aber auch Rap­per) und Phar­rell Wil­liams getex­tet haben, wobei Phar­rell Wil­liams wie­der­um vie­le Titel für vie­le ande­re Musi­ker pro­du­ziert haben soll, so zum Bei­spiel für Madon­na, Brit­ney Spears oder Jus­tin Tim­ber­la­ke, um nur eini­ge zu nen­nen. Wäh­rend­des­sen hat Jay Elec­tro­ni­ca, der mut­maß­li­che Ghost­wri­ter Nas‘, bis­her noch kein ein­zi­ges Album ver­öf­fent­licht. In Deutsch­land ist wohl der Ber­li­ner Rap­per Bushi­do zu nen­nen. Des­sen frü­he­re Freun­de Sen­tence (frü­her Sen­ti­no, eben­falls aus Ber­lin) und Kay One (Fried­richs­ha­fen) sol­len nicht weni­ge sei­ner Tracks geschrie­ben haben, eben­so der Köl­ner Rap­per tür­ki­scher Abstam­mung Eko Fresh. Nach einem Zer­würf­nis mit Bushi­do revan­chier­ten sich Eko und Sen­ti­no mit dem Song „Ghost­wri­ter“.

Wis­sen­schaft­li­ches oder aka­de­mi­sches Ghost­wri­ting kam mit der Auf­klä­rung im 18. Jahr­hun­dert auf. In die­ser Zeit ent­wi­ckel­te sich ein immer grö­ße­rer Anspruch auf Bil­dung unter der immer zahl­rei­cher wer­den­den bür­ger­li­chen Bevöl­ke­rung; die­sen Bil­dungs­an­spruch hat­ten zuvor der Kle­rus und der Adel inne. Gleich­zei­tig war die Bezah­lung von Gelehr­ten und Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen schlecht. Gelehr­te ver­fass­ten des­halb zuneh­mend wis­sen­schaft­li­che Wer­ke für wohl­ha­ben­de Bür­ger bzw. deren Kin­der bis hin zu Hoch­schul­ab­schluss­ar­bei­ten und Dis­ser­ta­tio­nen. Wis­sen­schaft­li­ches bzw. aka­de­mi­sches Ghost­wri­ting zumin­dest für Hoch­schul­ar­bei­ten wird heu­te kri­tisch betrachtet.

Kritik

Ghost­wri­ting zumin­dest bei der Erstel­lung von Tex­ten, die der Ver­öf­fent­li­chung die­nen sol­len, wird zumin­dest in Deutsch­land heut­zu­ta­ge teil­wei­se nega­tiv begeg­net. Dies betrifft alle Gesell­schafts­be­rei­che, sei dies die Belletristik/Literatur, die Musik oder ins­be­son­de­re das wis­sen­schaft­li­che bzw. aka­de­mi­sche Ghost­wri­ting. Eine Aus­nah­me bil­det das Ghost­wri­ting im Poli­tik- und Wirt­schafts­be­trieb. Ins­be­son­de­re im Bereich der Poli­tik ist Ghost­wri­ting als Unter­form der Reden­schrei­ber all­ge­mein­hin akzeptiert.

Besonderheit wissenschaftliches bzw. akademisches Ghostwriting

Politisierung

Im Febru­ar 2011 muss­te der dama­li­ge Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg (CSU) zurück­tre­ten, weil ihm in sei­ner Dis­ser­ta­ti­on erheb­li­ches Pla­gia­tie­ren nach­ge­wie­sen wur­de. Die­ser Vor­fall war mut­maß­lich Ergeb­nis eines geziel­ten und sorg­fäl­tig geplan­ten Angriffs gegen die kon­ser­va­ti­ven Par­tei­en Deutsch­lands CDU/CSU. Um die­sem Vor­fall die nöti­ge skan­dal­träch­ti­ge Medi­en­re­le­vanz zu geben, wur­de von den Angrei­fern ein wirk­sa­mer Kata­ly­sa­tor gesucht, der sich gege­be­nen­falls auch ver­brau­chen kann und der im wis­sen­schaft­li­chen bzw. aka­de­mi­schen Ghost­wri­ting gefun­den wur­de. Seit­her wer­den der wis­sen­schaft­li­che bzw. aka­de­mi­sche Ghost­wri­ter und das Pla­gi­at nicht sel­ten in einem Atem­zug genannt, obwohl doch ein Ghost­wri­ter gleich wel­cher Bran­che mit Pla­gi­at so viel zu tun hat wie die Kuh mit dem Mond. Im wei­te­ren Ver­lauf wur­den wei­te­re kon­ser­va­ti­ve und dann auch libe­ra­le Poli­ti­ker gezielt ange­grif­fen, so zum Bei­spiel die EU-Poli­ti­ke­rin Sil­va­na Koch-Mehrin (FDP) oder die ehe­ma­li­ge Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin Annet­te Scha­van (CDU), die bei­de wie Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg eben­falls ihren Dok­tor­ti­tel ver­lo­ren. Erst als poli­tisch offen­sicht­lich „zurück­ge­schos­sen“ wur­de und der Ham­bur­ger SPD-Poli­ti­ker Uwe Brink­mann oder der nord­rhein-west­fä­li­sche Staats­se­kre­tär Marc Eumann (SPD) als Ver­trau­ter der NRW-Minis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) sich eines Pla­gi­ats­vor­wurfs aus­ge­setzt sahen und sich ein Pla­gi­ats­ver­dacht sowohl gegen Außen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter Stein­mei­er (SPD) als auch gegen den Bun­des­tags­prä­si­den­ten Nor­bert Lam­mert (CDU) als unhalt­bar her­aus­stell­ten, flach­te die­se Art der poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung vor­läu­fig ab.

Rechtliches

Wis­sen­schaft­li­ches bzw. aka­de­mi­sches Ghost­wri­ting ist an und  für sich nicht ver­bo­ten. So urteil­te das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt 2009, dass die Ghost­wri­ter­ver­ein­ba­rung zwi­schen einem Hoch­schul­pro­fes­sor und einem Hoch­schul­mit­ar­bei­ter zur Ver­öf­fent­li­chung eines wis­sen­schaft­li­chen Fach­ar­ti­kels im Namen des Pro­fes­sors rech­tens sei.

Doch selbst das Ghost­wri­ting für Hoch­schul­ar­bei­ten ist recht­lich umstrit­ten. So urteil­te das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf im Febru­ar 2011, dass Ghost­wri­ting für Hoch­schul­ar­bei­ten sit­ten­wid­rig sei (mit der Kon­se­quenz rechts­wid­rig, und eine dies­be­züg­li­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen Kun­de und Ghost­wri­ter sei des­halb nich­tig). Im glei­chen Monat Febru­ar 2011 urteil­te indes das Ober­lan­des­ge­richt Köln, dass wis­sen­schaft­li­che Ghost­wri­ting-Ange­bo­te für den Hoch­schul­be­reich dann, wenn die­ses Ghost­wri­ting aus­drück­lich zu Übungs­zwe­cken erfol­ge, ver­gleich­bar sei mit der Dro­gen­hil­fe des Cari­tas­ver­ban­des; ein sol­ches Ange­bot trü­ge dazu bei, Inter­es­sen­ten vom Kauf gan­zer Hoch­schul­ar­bei­ten abzu­hal­ten und zu (lega­len!) Übungs­ar­bei­ten hin­zu­füh­ren. In der Fol­ge die­ser Urtei­le ent­wi­ckel­te sich die­se unein­heit­li­che Recht­spre­chung wei­ter. So ten­diert das Kam­mer­ge­richt Ber­lin als „Ober­lan­des­ge­richt“ des Bun­des­staats Ber­lin zu der glei­chen Auf­fas­sung wie das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf 2011. Das Ober­lan­des­ge­richt Naum­burg,  das Land­ge­richt Aachen und das Land­ge­richt Ham­burg woll­ten sich nicht in der­art grund­sätz­li­che Betrach­tun­gen bege­ben. Letz­ter (Gerichts)Stand ist die Auf­fas­sung des Land­ge­richts Wup­per­tal, dass wis­sen­schaft­li­che bzw. aka­de­mi­sche Ghost­wri­ter kei­nen Anspruch auf Rechts­ver­fah­ren gegen­ein­an­der haben, da wegen Sit­ten­wid­rig­keit der Schutz des Staa­tes (Geset­ze) für der­lei Diens­te­an­bie­ter zu ver­sa­gen sei. Die­se Auf­fas­sung betrifft dann selbst­ver­ständ­lich auch die Kun­den wis­sen­schaft­li­cher bzw. aka­de­mi­scher Ghost­wri­ter. Das Land­ge­richt Wup­per­tal ist die unter­ge­ord­ne­te Gerichts­in­stanz des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf. Ober­lan­des­ge­rich­te sind die höchs­ten Zivil­ge­rich­te. Über den Ober­lan­des­ge­rich­ten steht nur noch der Bun­des­ge­richts­hof, der indes nur erfolg­reich ange­ru­fen wer­den kann, wenn erheb­li­che Ver­fah­rens­feh­ler der Vor­in­stan­zen nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen oder ein erhöh­tes Inter­es­se der All­ge­mein­heit oder der all­ge­mei­nen Rechts­fort­bil­dung erkannt wer­den. Ein höchst­rich­ter­li­ches Urteil bezüg­lich des wis­sen­schaft­li­chen Ghost­wri­tings für Hoch­schul­ar­bei­ten gibt es nicht und ist auch nicht in Sicht.

Im Mai 2012 for­der­te der  Jurist und Prä­si­dent des Deut­schen Hoch­schul­ver­ban­des (DHV) Prof. Dr. Bern­hard Kem­pen einen Straf­tat­be­stand Wis­sen­schafts­be­trug sowohl gegen wis­sen­schaft­li­che bzw. aka­de­mi­sche Ghost­wri­ter als auch gegen deren Kun­den. Die­se For­de­rung wur­de bis­her nicht rea­li­siert und wird in poli­ti­schen Krei­sen und auch juris­ti­schen Fach­krei­sen teil­wei­se sehr kri­tisch gesehen.

Anbieter

Seit dem Fall Gut­ten­berg ent­wi­ckel­te sich eine zuneh­men­de Kri­mi­na­li­sie­rung in dem Unter­be­reich des wis­sen­schaft­li­chen bzw. aka­de­mi­schen Ghost­wri­tings. So wur­den zuneh­mend Web­sei­ten publi­ziert, hin­ter denen ganz offen­sicht­lich Betrü­ger ste­hen. Doch auch eine „Risi­ko­mi­ni­mie­rung“ eines zuneh­men­den Teils der Anbie­ter mit den Mit­teln stän­di­ger Unter­neh­mensum­grün­dun­gen, Unter­neh­mensum­be­zeich­nun­gen, einer vor­geb­li­chen Abwan­de­rung ins Aus­land und schwe­rer Irre­füh­run­gen durch das Erfin­den völ­lig unrea­lis­ti­scher Unter­neh­mens­grö­ßen bis hin zur geziel­ten Mani­pu­la­ti­on von ein­schlä­gi­gen Wiki­pe­dia-Ein­trä­gen tra­gen in erheb­li­chem Aus­maß mit dazu bei, die Glaub­wür­dig­keit wis­sen­schaft­li­chen bzw. aka­de­mi­schen Ghost­wri­tings nach­hal­tig zu unter­gra­ben.-> sie­he hier­zu genau­er „Aktu­el­les“ im Foo­ter die­ser Webseite.