Akademisches Ghostwriting – Geschichte

Aka­de­mi­sches Ghost­wri­ting ist so alt wie die Wis­sen­schaft selbst. Es lässt sich seit ca. 500 Jah­ren nach­wei­sen.

Die Wis­sen­schaft nach unse­rem heu­ti­gen Ver­ständ­nis ent­stand letzt­lich (wie­der) mit dem Beginn der frü­hen Neu­zeit. Unter frü­her Neu­zeit wird der Beginn der Zei­ten­wen­de zwi­schen Mit­tel­al­ter und Neu­zeit ver­stan­den, d.h. der Zeit­raum vom Ende des Spät­mit­tel­al­ters Mitte/Ende des 15. Jahr­hun­derts bis zum Beginn der Moder­ne Ende des 18. Jahr­hun­derts. Kenn­zei­chen der frü­hen Neu­zeit sind ins­be­son­de­re das ver­än­der­te Men­schen­bild des Huma­nis­mus und die damit ein­her gehen­de Wie­der­ge­burt der Anti­ke (Renais­sance). Mar­kan­te his­to­ri­sche Weg­mar­ken der frü­hen Neu­zeit sind Johan­nes Guten­bergs Erfin­dung des Buch­drucks 1440, Chris­toph Kolum­bus‘ Ent­de­ckung Ame­ri­kas 1492 oder der Beginn der Refor­ma­ti­on 1517, und nur eini­ge Bei­spie­le zu nen­nen.

Aka­de­mi­sches Ghost­wri­ting ent­stand, weil bereits in der frü­hen Neu­zeit Gelehr­te meist schlecht bezahlt wur­den.

Zen­tra­les Kenn­zei­chen der nach­fol­gen­den Neu­zeit oder Moder­ne ab Ende des 18. Jahr­hun­derts ist die Auf­klä­rung. Zen­tra­le Ele­men­te der Auf­klä­rung sind die Hin­wen­dung zur Ver­nunft, die Aus­rich­tung des Lebens auf die Wis­sen­schaf­ten oder die Men­schen­rech­te. Mar­kan­te his­to­ri­sche Weg­mar­ken der Auf­klä­rung waren z.B. die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on oder die Unab­hän­gig­keit der USA von Groß­bri­tan­ni­en.

Mit der Auf­klä­rung im 18. Jahr­hun­dert ent­wi­ckel­te sich ein neu­er Bil­dungs­an­spruch immer grö­ßer wer­den­der bür­ger­li­chen Bevöl­ke­rungs­schich­ten, der zuvor nur der Kle­rus und der Adel für sich gel­tend machen konn­te.

Die dama­li­gen Gelehr­ten wur­den jedoch nicht viel bes­ser bezahlt als in der frü­hen Neu­zeit. Sie konn­ten des­halb oft weder ihre For­schungs­re­sul­ta­te ver­öf­fent­li­chen und damit in ihrem aka­de­mi­schen Gebiet wei­ter vor­an schrei­ten noch ihre Fami­li­en und sich selbst durch ihre Gelehr­ten­tä­tig­keit ernäh­ren.

Auf der ande­ren Sei­te kam es in aris­to­kra­ti­schen und ver­mö­gen­den bür­ger­li­chen Bevöl­ke­rungs­schich­ten zuneh­mend in Mode, sich sowohl für alle mög­li­chen popu­lär­wis­sen­schaft­li­chen und streng wis­sen­schaft­li­chen The­men­be­rei­che zu inter­es­sie­ren als auch sich mit aka­de­mi­schen Titeln zu schmü­cken.

Der Kom­pro­miss von mit­tel­lo­sen Gelehr­ten und aris­to­kra­ti­schen und ver­mö­gen­den bür­ger­li­chen Bevöl­ke­rungschich­ten bestand fol­ge­rich­tig dar­in, dass Gelehr­te ihre ver­schie­dens­ten For­schungs­er­geb­nis­se nicht nur unter ihrem, son­dern auch unter dem Namen „jun­ger Aka­de­mi­ker“ ver­öf­fent­lich­ten, die bzw. deren Fami­li­en oft eben nichts ande­res als Geld­ge­ber bzw. Mäzen die­ser Gelehr­ten waren. Bei die­sen Ver­öf­fent­li­chun­gen han­del­te es sich über­wie­gend um Dis­ser­ta­tio­nen.

Der Begriff „Ghost­wri­ter“ exis­tier­te damals natür­lich noch nicht. Wahr­schein­lich han­delt es sich um eine Wort­schöp­fung, die erst­mals zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts gebräuch­lich wur­de. Auch Aus­drü­cke wie „Fremd­schrei­ber“ oder Ähn­li­ches las­sen sich nicht nach­wei­sen. Schwer­punk­te des frü­hen aka­de­mi­schen Ghost­wri­tings waren wohl Arbei­ten aus den Fach­be­rei­chen der Medi­zin und Natur­wis­sen­schaf­ten.
Lite­ra­tur (Aus­wahl):

  • Baum­gar­ten, Mari­ta: Pro­fes­so­ren und Uni­ver­si­tä­ten im 19. Jahr­hun­dert. Van­den­hoeck und Ruprecht Ver­lag, Göt­tin­gen 1997.
  • Ros­si, Pao­lo: Die Geburt der moder­nen Wis­sen­schaft in Euro­pa. 1. Auf­la­ge. C. H. Beck Ver­lag, Mün­chen 1997.
  • Weber, Wolf­gang: Geschich­te der euro­päi­schen Uni­ver­si­tät. Kohl­ham­mer Ver­lag, Stutt­gart 2002.